Aschermittwoch: Bedenke, dass du Staub bist...

Veröffentlicht am Mo., 8. Feb. 2016 13:19 Uhr
THEOLOGIE DER STADT

Von Hannes Langbein

Neulich blätterte ich in einem Kreuzberger Café in einer alten Kunstzeitung – und blickte in einen über und über mit Diamanten besetzten Totenschädel: leer gähnten mich seine dunklen Augenhöhlen an, während mir der rosafarbene Diamant auf seiner Stirn entgegenblitzte... – 50 Millionen Pfund soll 2007 ein Käufer-Konsortium für das Kunstwerk bezahlt haben - wobei nicht ganz sicher war, ob der Künstler – der Brite Damien Hirst – nicht selbst Teil dieses Konsortiums war und damit den Preis seines Werks in die Höhe getrieben hatte. Ein gewitztes Spiel mit den
Gesetzen des Marktes oder die reine Gier?

Immerhin beschäftigte mich der Schädel. Denn in der schieren Übersteigerung aller Kategorien – des Geldes, des Maßes, des Anstands, des Todes – verströmte er zugleich
Anziehungs- und Abstoßungskräfte. – "For the Love of God" – „Um Gottes Willen!“ oder wörtlich: „Um der Liebe Gottes willen“ – hatte der Künstler sein Werk betitelt und damit eben diese Doppeldeutigkeit auf den Punkt gebracht: „Um Gottes willen, was für eine Verschwendung von Ressourcen!“ – und „Zur Ehre Gottes ist das Beste gerade gut genug!“...

Ich dachte: Was wohl Bernd Lindemann, Direktor der Berliner Gemäldegalerie und OlafZimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, dazu zu sagen hätten? – die
beiden diskutieren in dieser Woche am Aschermittwoch der Künstler über den "Wert der Kunst": Wie verhalten sich eigentlich Kunst, Markt und Vergänglichkeit zueinander? Gehen Schönheit und Endlichkeit zusammen? Gehen Schönheit und Geld zusammen? – Geld macht attraktiv, weiß der Volksmund. Und Schönheit lässt Ewigkeit erahnen. Aber was, wenn die Endlichkeit ihren Tribut fordert...?

Am Aschermittwoch lässt sich darüber trefflich nachdenken: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst...“ (Gen. 3,19)

Weitere Informationen zum Aschermittwoch der Künstler

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