Die Haltestelle der Toleranz

Veröffentlicht am Do., 28. Jul. 2016 00:00 Uhr
THEOLOGIE DER STADT

Reiseführer von San Francisco preisen die Kreuzung Castro Street/Market Street im berühmten Stadtteil The Castro als „gayest four corners of the world“. Dort stand ich schon, aber beeindruckt war ich eher nicht. Vor zwei Wochen stand ich im kaum weniger berühmten Stadtteil Schöneberg am Nollendorfplatz. Dort habe ich meine “gayest four, five, six, seven, even eight corners of the world“ gefunden. Natürlich vor allem in der „Saison“.

Normalerweise im Juni, 2016 erst im Juli: Die U-Bahn-Station Nollendorfplatz ist seit dem ersten Juli mit Regenbogenflagge und Regenbogenbannern geschmückt, die markante Regenbogenstele von Salomé steht prägnant zentral am Eingang zur Motzstraße. Zusammen mit gut 350.000 weiteren Besucher*innen zieht es mich darauf zu, in Richtung des Lesbisch-Schwulen Stadtfestes. Am Wochenende danach treffen wir uns auf dem CSD wieder. Und mittendrin: Die Haltestelle der Toleranz.

Kurz Anhalten. Innehalten. Freuen, dass ich in dieser offenen, toleranten Gesellschaft lebe. Beten, dass das trotz einiger abstoßender aktueller Strömungen so bleiben möge. Nichts für selbstverständlichhalten, was selbstverständlich sein sollte und doch nicht selbstverständlich ist.
Dann wird fröhlich weiter gefeiert.