Tempelhofer Freiheit

Veröffentlicht am Di., 6. Okt. 2015 14:29 Uhr
THEOLOGIE DER STADT

Ulrike Biskup

Der Name ist Programm: Nicht ein schnödes, weites, leeres Feld, sondern die Tempelhofer Freiheit. Doch statt der Flugzeuge heizen jetzt Kitelandboarder über die Runway. Sie erinnern mich an meine Kindheit, als Windsurfen auf der Ostsee der absolute Renner war. Hier ist es Trendsport in unwirklicher Szenerie, eine 386 ha große Freifläche mitten in der größten deutschen Großstadt. Eine schier unglaubliche Freiheit, für die hier Raum ist, seit die Flugzeuge nicht mehr fliegen und die Stadt nicht bauen darf.

Nur der Himmel war frei. Während der Berlin-Blockade 1958/59 verdankte die Stadt den "Rosinenbombern" ihr Überleben. Alle 3 Minuten landete ein Flugzeug mit Versorgungsgütern in Berlin, viele davon auf dem Flugplatz Tempelhof. Die Luftbrücke ist legendär, ihr Erfolg war durchschlagend. West-Berlin blieb Teil der Alliierten Besatzungszone, der Kommunismus konnte dieser Bastion der Freiheit nichts anhaben.

Ich bin 2013 aus Hamburg hierhergekommen. Das Lebensgefühl im alten West-Berlin kann ich mir nicht vorstellen. Ein Bild von einem riesigen (wenngleich goldenen) Käfig entsteht vor meinem inneren Auge. Wie muss sich diese Enge angefühlt haben? Nicht raus zu können in das schöne Berliner Umland? Doch ich treffe wenige Berliner Zeitzeugen in dieser Stadt. Die meisten, denen ich begegne, sind selber zugezogen und können mir nichts über das Lebensgefühl der einst geteilten Stadt verraten.

Diejenigen, die ich treffe, verstehen meine Frage nicht. Enge? Nö. War doch alles super. Das Leben großartig. "Rausfahren" konnte man ja in den Grunewald und an den Wannsee. Und wenn einem tatsächlich mal die Decke auf den Kopf fiel, war Helmstedt in Niedersachsen nicht weit.

Ansonsten war sich West-Berlin selbst genug.

Das zumindest kann ich nachvollziehen  -  hier auf der Tempelhofer Freiheit.

Foto: Arnim Hilgendorf
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