Auf Wallfahrt in Rom

Veröffentlicht am Mo., 2. Nov. 2015 10:11 Uhr
THEOLOGIE DER STADT

Ebba Zimmermann

Seit hunderten Jahren zieht es Pilger nach Rom. Nun also mich. Als Protestantin nehme kurz vorm Reformationstag - gemeinsam mit 1.500 Katholiken - an der Wallfahrt des Berliner Erzbistums teil.

Und betrete Terra Incognita im doppelten Sinne:

Die fremde Stadt.
Das ewige Rom, wo das Foto des Papstes in jeder Carabinieri-Station hängt, wo die Souvenirhändler Rosenkränze im Dutzend verkaufen, man im Bus neben Nonnen und Priestern sitzt und es mehr Kirchen als Pizzerien gibt - gefühlt zumindest. Wie selbstverständlich hier Kirche und Christentum sind, ist für mich als Berlinerin schon beeindruckend.

Die fremde Konfession.
In Berlin sind die Katholiken unsere kleineren Geschwister. Zahlenmäßig zumindest. In Rom sind sie Teil einer Weltkirche: Bei der Generalaudienz des Papstes, wo wir zwischen Pilgergruppen ausFrankreich, England, Polen, Brasilien und vielen anderen Länder stehen. Beim Gottesdienst in der Apsis des Petersdom, in den wir singend durch den Mittelgang einziehen - links und rechts ein Spalier von Touristen.

Hier denkt sich die Kirche in Jahrhunderten: Das Petrusgrab, die Statuen Konstantins, der Krönungsort Karls des Großen. Geschichte ist hier ständig präsent. Und jede Veränderung ein kleines Wunder: ob Franziskus bei den Kosten der Vatikanischen Gärten spart, dafür sorgt, dass sein Pilgergruß nun auch auf Arabisch verlesen wird oder darauf besteht, über einen Teil seines Kalenders und seiner Zeit selbst zu verfügen.

Wie hier in Hierarchien gedacht wird befremdet mich als Protestantin. Der Weg zu Gott führt mich nicht durch die kirchlichen Institutionen. Auch anderes bleibt merkwürdig: die Marienverehrung vor der nachgebauten Lourdes-Grotte in den vatikanischen Gärten etwa oder der Komplettablass, den mein Pilgerbuch mir für die Reise verspricht – wenn ich die genannten Bedingungen erfülle.

Aber sonst lasse ich mich begeistern, von der Gemeinschaft im Gottesdienst und beim gemeinsamen Singen, von den Besuchen besonderer Orte, der Gastfreundschaft in den römischen Kirchen und der perfekten Organisation dieser Wallfahrt. Und komme fünf Tage später nach Berlin zurück: gestärkt im Glauben, geschärft im protestantischen Bewusstsein – und mit Rom im Herzen.

Schweizergardist im Apostolischen Palast im Vatikan; Foto: Gerd Herzog



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