„Kirche kann nicht unpolitisch sein“

„Kirche kann nicht unpolitisch sein“

„Kirche kann nicht unpolitisch sein“

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„Kirche kann nicht unpolitisch sein“

Einmischen oder sich raushalten: Was das Thema Kirche und Politik angeht, gehen die Meinungen oft auseinander. Der Theologe und neue Propst der EKBO, Johannes Krug, berichtet von seinen Erfahrungen mit Kirche und Politik und erklärt, was theologisch geboten ist.

Als Superintendent im Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf haben Sie vor Wahlen mit Kandidatenchecks oder über Social-Media politisches Engagement gezeigt. Was genau haben Sie da gemacht?
Gemeinsam mit dem Tagesspiegel und den Potsdamer Neusten Nachrichten haben wir bei unseren Kandidatenchecks vor Bundes- und Landtagswahlen Kandidierende unterschiedlicher Parteien eingeladen und an sie Anliegen von Menschen herangetragen, die nicht wählen können oder dürfen – etwa, weil sie noch nicht volljährig sind oder weil sie hier kein Wahlrecht genießen. Wir haben die Kandidierenden auch persönlich, ganz menschlich, vorgestellt und sie gefragt: was treibt euch an, was motiviert euch, euch zu engagieren?
Das stieß auf große Resonanz. Noch erfolgreicher war eine Social-Media-Kampagne, bei der wir dazu aufgerufen haben, wählen zu gehen. Solche Aktionen haben sehr viel Potential. Das hat uns eine Expertin bescheinigt, die unsere Kampagne ausgewertet hat. Allerdings hat sie uns auch gesagt, dass wir noch einiges lernen können (lacht).

Also darf oder muss Kirche politisch sein?
Sie kann gar nicht anders. Wenn Jesus in die Welt gekommen ist, können wir als Christinnen und Christen uns doch nicht aus ihr zurückzuziehen. Die Botschaft der Bibel ist: Wir haben eine Verantwortung, in diesem Leben, in dieser Welt, Dinge zu verändern. Wir sind keine Marionetten, sondern Menschen, die hier wirken. Wir sollen ja bebauen und bewahren, wir sollen Verantwortung übernehmen. Individuell als Christen und auf Ebene der Gemeinschaft unserer Kirche. Das eine ersetzt nicht das andere.

Gibt es Grenzen des kirchlichen politischen Engagements ?
Wir dürfen nie parteipolitisch werden. Das ist ein schmaler Grat, aber wir sind nicht die Expertinnen und Experten in Fachfragen. Das sollten wir uns nicht anmaßen, denn uns fehlt vielfach die Kompetenz im Detail. Und dafür gibt es ja demokratisch gewählte Menschen, die sich in ihrem Fachgebiet mit Problemlagen beschäftigen und Lösungen aushandeln. Das ist deren Aufgabe, nicht unsere. Kirche sollte ihre spezifische Rolle wahren und sich nicht mit einer Partei verwechseln. Das passt genauso wenig zu der Kirche wie ihr Rückzug aus der Welt.

Haben Sie auch AfD-Kandidierende zu den Vor-Wahl-Veranstaltungen eingeladen?
Anfangs ja, dann nicht mehr. Denn den AfD-Kandidierenden ging es erkennbar nicht um Zuhören und Gespräch, sondern um Emotionalisierung. Wir haben sie daraufhin nicht mehr eingeladen. Dann gab es natürlich einen großen Aufschrei in der Partei, sie seien ausgegrenzt. Was für ein Unsinn. Auch Anhänger dieser Partei sind in den Gottesdiensten willkommen, diakonische Einrichtungen bieten ihnen Hilfe und Unterstützung in Notlagen, wenn sie sich dahin wenden, in evangelischen Schulen fragen wir auch nicht die Kinder, was ihre Eltern wählen usw. In guter evangelischer Tradition unterscheiden wir ja Personen von Positionen.

Manche finden es problematisch, wenn sich Kirche politisch positioniert. Wie kann man sie überzeugen?
Damit, dass wir das gut machen, und das bedeutet: den oben genannten schmalen Grat nicht übertreten. Dafür braucht es ein feines Gespür, auch eine Portion Disziplin, die eigene politische Präferenz zu vertreten, ohne sie vorschnell religiös aufzuladen – und übrigens auch einen wachen, respektvollen Blick auf die Schwestern und Brüder in der Kirche, die anders als wir denken, aber trotzdem – wie wir – Christinnen und Christen sind. 
Und manchmal zeigt sich eine kirchliche politische Positionierung ganz unauffällig, aber sehr wirksam:  Wenn wir im Gottesdienst „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr“ singen, dann singt man das vielleicht in einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft mit dem Gefühl, das sei ganz unpolitisch. Aber in einem anderen Kontext, etwa in einem Kaiserkult oder einer Ideologie, die einen totalen Anspruch auf die Menschen erhebt, ist das ein hoch politischer Satz: Wir verweigern euch die Ehre, die reservieren wir Gott.  Das ist so eine Schnittstelle zwischen theologischen und politischen Aussagen. Und davon gibt es viele. Und wer, wie wir, möchte, dass die Welt nicht so bleibt wie sie ist, kann vielleicht zustimmen: Das ist auch gut so.

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