Buchtipp von Julia Helmke zum 100. Geburtstag der Theologin Moltmann-Wendel

Buchtipp von Julia Helmke zum 100. Geburtstag der Theologin Moltmann-Wendel

Buchtipp von Julia Helmke zum 100. Geburtstag der Theologin Moltmann-Wendel

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Buchtipp von Julia Helmke zum 100. Geburtstag der Theologin Moltmann-Wendel

Vorbilder im Leben und im Glauben. Hier in Berlin. Sich erinnern, Geschichte wahrnehmen, Gegenwart verstehen, Erfahrungen teilen. Eine bemerkenswerte Frau und Theologin wäre in diesem Sommer 100 Jahre geworden: Elisabeth Moltmann-Wendel (1926-2016).

 „Ich bin gut, ganz und schön“. So schreibt sie nach einer durchwachten Nacht bei einer Tagung mit verzagten und um Anpassung bemühten jungen Pfarrerinnen. Das klingt selbstbezogen. Ist es jedoch gar nicht.

Ich bin gut, weil ich so, wie ich bin aus Gottes Händen komme. Ich bin ganz, weil ich mich zu meiner Leiblichkeit, zu meinen Gefühlen und Konflikten bekenne. Wer ganz ist, muss nicht perfekt sein. Ich bin schön, weil Gottes Blick auf mich ein liebender ist. (…)

Elisabeth Moltmann-Wendel prägte auf eine leise, beharrliche Art theologisches Denken ebenso wie ihr Mann Jürgen Moltmann (1926-2024) mit seiner „Theologie der Hoffnung“. Beide sagten, dass sie bis ins hohe Alter voneinander lernten. Gelingende Partnerschaft.

Elisabeth Wendel wächst in Werne und Potsdam auf. In Berlin studiert sie mit Leidenschaft evangelische Theologie, in Göttingen promoviert sie. 1952 heiratet sie ihren Studienfreund, den späteren Theologieprofessor Jürgen Moltmann. Weil ihr das Pfarramt aufgrund der bis in die 70erJahre gültigen so genannten Zölibatsklausel als verheiratete Frau versagt ist, unterrichtet sie Religion. Sie bekommt vier Töchter und bereist alle vier Kontinente. Insbesondere die Begegnungen mit Frauen verändern sie nachhaltig.

In Deutschland vernetzt sich mit der Frauenbewegung. „Ich bin gut - ich bin ganz - ich bin schön“ - mit diesem Satz rüttelte Elisabeth Moltmann Wendel auf. Dazu sagt sie 1981 in der Werkstatt Feministische Theologie in Bad Boll: „In diesen drei Sätzen steckt eine anthropologische, kulturelle und ökologische Revolution. Kehren wir zu uns zurück (…) Entdecken wir uns wieder, unsere Instinkte, unsere Gefühle, unser Gerechtigkeitsgefühl, unsere Weisheit, unsere Liebe. Fangen wir an, uns wieder zu vertrauen, unserem Geist, unserem Körper, unserer Welt – der Schöpfung Gottes, die Jesus befreit hat.“

Sie war eine Theologin, die eine verständliche Sprache fand und alte Dogmen hinterfragte. Eigene Erfahrungen ernst zu nehmen, Alltag und Spiritualität nicht voneinander zu trennen – und an das biblische Fundament zurückzubinden. Das gilt für alle Geschlechter.

Zu meiner Konfirmation habe ich ihr Buch „Ein eigener Mensch werden – Frauen um Jesus“ als Geschenk erhalten. Es war für mich als zweifelndes Mädchen sehr heilsam und prägt mich bis heute. Ihr Gedanken lohnen der (Wieder)Entdeckung und sind ein Teil lebendiger evangelischer Zeitgeschichte.

Biographische Notizen, Texte von ihr und die Spuren ihrer Wirksamkeit sind gut lesbar in dem Sammelband von Brigitte Enzner-Probst/Gina Schibler (Hg.) Ich bin gut, ganz und schön, EVA Leipzig 2026.

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