Armut geht uns alle an: Thomas de Vachroi im Gespräch

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Armut geht uns alle an: Thomas de Vachroi im Gespräch

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Armut geht uns alle an: Thomas de Vachroi im Gespräch

Hohe Mieten, Altersarmut, Obdachlosigkeit: Armut hat viele Aspekte. Im Gespräch mit Cornelia Schwerin erzählt der Armutsbeauftragte Thomas de Vachroi von seinem Engagement und der Kampagne „Armut eine Stimme geben“. Anlass des Interviews ist seine Auszeichnung mit dem Berliner Verdienstorden.

Herzlichen Glückwunsch! Thomas de Vachroi, Sie sind vor einigen Tagen vom Regierenden Bürgermeister Kai Wegner mit dem Berliner Verdienstorden ausgezeichnet worden. Was macht das mit ihnen?

Gar nichts! (Lacht). Na klar ist das eine tolle Geste vom Land Berlin, und eine Anerkennung für die jahrelange Arbeit als Armutsbeauftragter, die ich ja für die Landeskirche ehrenamtlich mache. Hauptberuflich arbeite ich als Heimleiter der Diakonie im Haus Britz, sowie als Armutsbeauftragter im Diakoniewerk Simeon und dem evangelischen Kirchenkreis Neukölln.

Als Sie der Kirchenkreis Neukölln zum Armutsbeauftragten ernannte, war das Neuland. Wie sehen Sie in der Berliner Politik die Themen Obdachlosigkeit und Armut?

Das Thema Armut ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Denn Armut ist mehr als Obdachlosigkeit. Es beginnt bei den Berliner Mietpreisen, die Menschen arm machen, der Altersarmut besonders von Frauen und vielem mehr. Mit unserer Kampagne "Armut eine Stimme geben" haben wir – ein inzwischen großes Team von Ehrenamtlichen zusammen mit mir – auf das Thema reagiert. Heute kann ich sagen: Armut ist politisch und medial in den Fokus gekommen. 

Wie ist das gelungen?

Beispielsweise habe ich die Brandenburger Landkreise angeschrieben und alle haben mich eingeladen, mit mir über das Thema zu sprechen. Politikerinnen und Politiker haben die Brisanz der Situation begriffen. So wurden meine 30 Punkte zur Überwindung von Obdachlosigkeit von verschiedenen Parteien teilweise übernommen. Viele Politikerinnen und Politiker unterstützen unsere Kampagne.

Sie haben in einem Interview mit berlin-evangelisch sehr klar formuliert: „Die evangelische Kirche ist nicht die Armutsbeauftragte des Staates“. Was ist sie - Vermittlerin, Nothilfe?

Wir sind Nothilfe und gleichzeitig ist es unser christlicher Auftrag, keinen Menschen im Stich zu lassen, im Leben wie im Tod. Das hat Jesus gesagt, Martin Luther und der Papst. Wer nicht danach handelt, ist kein Christ. Armut ist ein drängendes gesellschaftliches Problem, das immer noch oft ignoriert oder bagatellisiert wird. Beide Kirchen, die katholische wie die evangelische Kirche, sind Nothelfer und für Menschen in Not da.

Sie bewegen in Neukölln sehr viel, bauen ein Haus für die Tee- und Wärmestube und stellen Wohnungen bereit. Wie weit ist das Projekt?

Die Idee für ein eigenes Gebäude ist eine Folge der Gentrifizierung. Die Miete ist für die Tee- und Wärmestube nicht mehr bezahlbar. Gleich neben der evangelischen Schule hat uns der Kirchenkreis ein eigenes Grundstück zur Verfügung gestellt. Das Fundament ist fertig, die Spundwände stehen schon. Neben der Tee- und Wärmestube Plus im Erdgeschoss gibt es auf vier Etagen Adaptionswohnungen für Menschen in Not und im Keller wird eine große Kleiderkammer entstehen. Wenn das Wetter uns nicht quer kommt, werden wir im Herbst 2027 das Haus eröffnen.

 

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