Julia Helmke traf Berlinale-Jurypräsident Wim Wenders

Julia Helmke traf Berlinale-Jurypräsident Wim Wenders

Julia Helmke traf Berlinale-Jurypräsident Wim Wenders

# WAS BEWEGT BERLIN?

Julia Helmke traf Berlinale-Jurypräsident Wim Wenders

Es ging mir wie vielen anderen: Meine erste Begegnung mit Wim Wenders‘ Werk war „Der Himmel über Berlin“. Dieses Filmkunstwerk aus dem Jahr 1987 über Engel, die unsichtbar und sichtbar Menschen in Berlin begleiten, hat mich tief bewegt: Wie der Regisseur die großen Fragen des Lebens und Glaubens, die Sehnsucht und Vergänglichkeit alles Irdischen, in poetische Bilder fasste, zusammen mit dem hypnotischen Soundtrack von Wenders‘ Lieblingsmusiker Nick Cave. Ein Film, der – ohne Gott explizit zu benennen – offen ist für das Unfassbar-Göttliche. Ab da sah ich jeden Film von Wim Wenders. Mein erstes Seminar als Lehrbeauftragte zu Film und Religion hielt ich über das Wenders-Zitat „Die Einstellung ist die Einstellung“, das Verhältnis von Kamera und innerer Haltung.

Wim Wenders, geboren im Jahr 1945, dreht seit sechzig Jahren Filme. „Paris, Texas“ hat übrigens bereits 1984 den Preis der ökumenischen Jury in Cannes erhalten, diese eigenwillige Pilgerreise eines stummen Mannes durch den Wilden Westen der USA.

Wenders‘ Stil hat sich immer wieder verändert und ist doch wiedererkennbar, er hat sich an deutscher und amerikanischer Geschichte abgearbeitet und sucht in seinen Filmen das, was den Menschen zum Menschen macht. Katholisch geboren, ist er zum evangelischen Glauben konvertiert und bezeichnet die Bibel als sein wichtigstes Buch. Sein neuester Film „Perfect Days“ (2023) ist eine Meditation über die Freiheit, die ein einfaches, geregeltes Leben ermöglicht. Gleichzeitig zeigt er auch die Notwendigkeit, sich in seinen Routinen immer wieder vom überraschenden Leben unterbrechen zu lassen. Mein persönlicher Lieblingsfilm und Filmtipp ist Wim Wenders‘ Dokumentarfilm „Salz der Erde“ (2014) über den brasilianischen Fotografen Sebastiao Salgado, der nach seiner Arbeit als Kriegsfotograf Lebensfreude und Zuversicht verlor und es dann in seiner Heimat schaffte, Regenwald wiederaufzuforsten und so wieder Hoffnung in die Schöpfung und Menschen gewann.

2024 hatte ich die Ehre, Wim Wenders in Cannes als Präsidentin der internationalen evangelischen Filmorganisation INTERFILM einen Ehrenpreis zu verleihen. Mich hat sehr beeindruckt, wie in seinem angenehmen und entspannten Auftreten der präzise, liebevolle Blick auf das Individuum und auf das große Ganze, das schwer zu fassen ist, durchscheint. Ich habe eine innere Freiheit als Künstler bei ihm wahrgenommen – und mich einfach gefreut, dass er die Arbeit ökumenischer Jurys wirklich schätzt.

Ich bin nun gespannt, wie sich Wim Wenders als Jurypräsident der 76. Berlinale selbst auf die Suche nach den besonderen Filmen macht – nach Filmen, die in diesen unruhigen Zeiten unseren Blick weiten und unser Herz mit Hoffnung stärken. 

Dies ist ein Beitrag aus unserem Newsletter Evangelisch in Berlin

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