Scheitern dürfen, weitermachen – mit Mut und Optimismus

Scheitern dürfen, weitermachen – mit Mut und Optimismus

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Scheitern dürfen, weitermachen – mit Mut und Optimismus

Ein Gastbeitrag von Lukas Pellio

Ohnmacht. Der Wahlsieg einer extrem rechten Partei in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen-Anhalt hat mich estarren lassen. Im Gespräch mit anderen wurde mir klar: Ohnmacht ist paradoxerweise ein Gefühl, das wir über politische Unterschiede hinweg teilen. Klimabewegte, Kohlekumpel, Gewerkschafterinnen, Wähler demokratischer wie faschistischer Parteien: Sie alle haben oft nicht das Gefühl, ihr Leben, ihr Umfeld oder die Politik zum Besseren verändern zu können.

Die AfD reagierte darauf mit einer Allmachtsphantasie: „Alles ist möglich", plakatiert neben einem startenden Flugzeug. Gar nicht mal so subtil: Was ihnen Hoffnung gibt, ist für viele andere eine Drohung. Dahinter steht eine Gesellschaftsvorstellung, die Menschen gegeneinander aufhetzt.
Wir dagegen glauben an ein Leben in Fülle, an eine Liebe, die mehr wird, wenn man sie teilt. Vor Allmachtsphantasien sollte unser Glaube uns recht zuverlässig bewahren.

Aber was ist eine demokratische Antwort auf diese massenhaft gefühlte Ohnmacht?

Mir hilft eine Grundeinsicht Luthers: die Unterscheidung von Person und Werk. Der Mensch ist gerechtfertigt vor allem, was er leistet. Für meinen Einsatz gegen Rechtsextremismus übersetze ich das so: Ich darf scheitern – und werde auch immer wieder scheitern. Das ist ärgerlich, spielt aber keine Rolle für meinen Wert als Mensch. Wir sind und bleiben geliebt. Das nimmt mir den Druck, politisch perfekt sein zu müssen. Ich kann verlieren: in Diskussionen, an der Wahlurne, mit meinen demokratiefördernden Projekten. Und ich kann immer wieder „losmachen" – wie wir hier in der Lausitz sagen. 2024 haben wir deshalb „Losmachen – Verein zur Förderung der Lausitzer Zivilgesellschaft" gegründet. Wir unterstützen Gruppen und Menschen beim Losmachen. Etwa die Initiative Sichere Orte, die Solidarität zwischen von rechter Gewalt betroffenen Orten organisiert und Spenden sammelt.

In meiner Arbeit an der Schnittstelle von Kirche und demokratischer Zivilgesellschaft ist es schön, zu merken, was Kirche richtig gut kann: sehr unterschiedliche Menschen auf einem gemeinsamen Fundament zusammenbringen. Dabei verbinden wir zwei Dinge, die oft auseinanderfallen: Gemeinschaft und klare Ansagen. Gemeinschaft ohne Klarheit ist beliebig. Klarheit ohne Gemeinschaft wird schnell zum wirkungslosen Moralismus. Umkehr – auch die politische – braucht die klare, biblisch begründete Ansage: Rechtsextremismus ist Sünde, weil er Menschen die Gottebenbildlichkeit abspricht. Und sie braucht die Erfahrung von Gemeinschaft, wie sie an unserem Abendmahlstisch geschieht und sichtbar wird.

Wir können nicht erwarten, dass Menschen in Massen in unsere Kirchen kommen, um diese Erfahrung zu machen. Aber wir können rausgehen und diese Erfahrung in nachbarschaftliche und politische Arbeit übersetzen. Gemeinschaft und klare Ansage.

Scheitern bleibt eine Möglichkeit. Aber wenn das so ist, ist Gewinnen auch eine Möglichkeit.

Damit Gewinnen möglich bleibt, braucht es Menschen, die mittragen. Werden Sie Teil unseres Förderkreises: losmachen.jetzt/foerderkreis

Zur Person:
Lukas Pellio ist Pfarrer der Evangelischen Studierendengemeinde in Cottbus. Er engagiert sich seit langem für Demokratie, Vielfalt und gegen die extreme Rechte in Brandenburg. Er hat die Bündnisse #unteilbar-südbrandenburg, Schule für mehr Demokratie sowie die Initiative Sichere Orte mit aufgebaut und 2024 „Losmachen – Verein zur Förderung der Lausitzer Zivilgesellschaft“ gegründet. 2023 wurde er mit dem „Preis für Zivilcourage – Gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“ der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas ausgezeichnet.

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