05/03/2026 0 Kommentare
NATUR & SCHÖPFUNG Ausstellungstipp von Julia Helmke
NATUR & SCHÖPFUNG Ausstellungstipp von Julia Helmke
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NATUR & SCHÖPFUNG Ausstellungstipp von Julia Helmke
Langsam wird es Frühling in Berlin, die Natur erwacht. Endlich! Ein guter Anlass, um über die Beziehung des Menschen zur Natur nachzudenken. Wie ist sie entstanden? Wie hat sie sich gewandelt?
Fragen einer deutschen Kulturgeschichte der Natur zwischen Glauben, Macht und Kunst geht die große Ausstellung „Natur und Deutsche Geschichte“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin nach. Auf mehr als 1.000 Quadratmetern entfaltet sich ein vielschichtiges Panorama, das von der biblischen Schöpfungserzählung einer Hildegard von Bingen über romantische Naturbilder bis hin zu ökologischer Krise und politischer Instrumentalisierung reicht.
Am Anfang steht der Glaube: die Vorstellung der Natur als göttliche Schöpfung, als Ausdruck göttlicher Ordnung und zugleich als Quelle des Staunens und der Verantwortung. Die Reformation legte die Schöpfung in die Hände des Menschen. Doch dies ist nur die erste Etappe. Mit der Aufklärung und der beginnenden Industrialisierung tritt die Natur in den Dienst menschlicher Macht. Sie wird bewundert und gezeichnet – oft beindruckend schön, etwa von der Naturforscherin Maria Sybilla Merian um 1700. Die Natur wird vor allem aber vermessen, beherrscht, ausgebeutet – und zugleich verklärt.
Romantische Gemälde von Caspar David Friedrich, etwa der das bekannte Werk „Wanderer über dem Nebelmeer“ zeugen von einer neuen, empfindsamen Naturerfahrung, die auch religiös zu deuten ist. Diese Ambivalenz zieht sich bis ins 20. Jahrhundert, wo Natur zum politischen Symbol wird – missbraucht in nationalistischen Ideologien und aber auch entdeckt durch Reformpädagogik und Lebensreform. Für mich neu war, wie „der deutsche Wald“ zu einer Chiffre der Ausgrenzung wurde, sowohl im Kolonialismus des 19. Jahrhunderts mit seiner Abholzung im heutigen Tansania und dann in der Zeit des Nationalsozialismus.
„Natur und Deutsche Geschichte“ ist eine Ausstellung über Verantwortung, sehr informativ – ein guter Überblick und eine Zusammenschau von 800 Jahren. Fast will die Schau etwas zu viel, hätte noch mehr realen Raum zum Atmen gebraucht. Anschaulich ist sie, vor allem durch die vertiefenden Expert:innen-Audios. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Wissenschaft und Spiritualität, Macht und Demut wird die Ausstellung zum Reflexionsraum, zu einer Erzählung über uns selbst – und darüber, wie wir mit der Welt umgehen, die uns anvertraut ist. Ein Gewinn!
Ausstellung:
Glaube – Biologie – Macht.
NATUR UND DEUTSCHE GESCHICHTE
noch bis 7. Juni 2026
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