05/03/2026 0 Kommentare
Orgelunterricht: die „Königin der Instrumente“
Orgelunterricht: die „Königin der Instrumente“
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Orgelunterricht: die „Königin der Instrumente“
Die Finger flitzen über die Manuale, gleichzeitig hüpfen die Füße über die Pedale. Ein kurzer Griff an die Registerzüge, und der Klang verändert sich komplett: Wer als Kind der Organistin oder dem Organisten über die Schulter gucken konnte, wird die Artistik, mit der die Orgel, die „Königin der Instrumente“, gespielt wird, nicht mehr vergessen.
Und der Reiz hält bis heute an – sowohl das Instrument zu hören, aber auch: selbst Orgel zu spielen. Im Interview erklärt Kirchenmusiker Stefan Kircheis das Faszinosum Orgel und gibt Tipps für zukünftige Orgelschüler:innen:
Was fasziniert Sie persönlich an der Orgel – und was begeistert Ihre Schülerinnen und Schüler am meisten?
Mich fasziniert vor allem der enorme Klangreichtum der Orgel. Daneben ist auch die Vielfalt der Orgellandschaft interessant. Besonders historische Orgeln, die schon ein, zwei oder sogar drei Jahrhunderte überdauert haben, inspirieren mich sehr und hinterlassen oft einen lange anhaltenden besonderen Klangeindruck. Für meine Schülerinnen und Schüler ist zum Beispiel das Spiel auf zwei Manualen gleichzeitig faszinierend, das Experimentieren mit verschiedenen Klangfarben oder einfach das Erlebnis, wie „es klingt“, wenn ein Stück, das am Klavier schon gut läuft, auf die Orgel übertragen wird.
Ab welchem Alter kann man mit dem Orgelunterricht beginnen – und braucht man dafür zwingend Klavier-Vorkenntnisse?
Ich finde einen gewissen Vorlauf auf einem anderen Tasteninstrument - es kann auch ein Akkordeon oder ein Keyboard sein - sehr hilfreich. Das spart viel Unterrichtszeit. Allein der Zugang zur Orgel ist in vielen Gemeinden recht umständlich. Es kommen auch Kinder und Jugendliche von sich aus auf mich zu und fragen, ob sie mal an der Orgel spielen dürfen, z. B. Konfirmanden, die schon längere Zeit Klavierunterricht haben. Daneben gibt es das Unterrichtskonzept „Orgelspielen von Anfang an“ für Grundschulkinder, in dem sehr kleinschrittig und spielerisch an das Instrument herangeführt wird. Das ist eher passend für Unterrichtsbedingungen in beheizten Gemeindezentren. Ich halte einen Beginn an der Orgel mit elf bis zwölf Jahren für sinnvoll. Wenn das Pedalspiel dazukommt, müssen die Füße auch die Pedaltasten erreichen können, also die Beine entsprechend lang sein.
Wie unterscheidet sich der Unterricht für Kinder und Jugendliche von dem für Erwachsene – besonders für Menschen, die ganz neu anfangen?
Das ist sehr individuell und hängt von der Motivation ab, nicht so sehr vom Alter. Ich habe zurzeit einen Schüler, der es schön findet, den großen Klangreichtum der Orgel mit der Begleitung eines Akkordeonensembles zu verbinden, da er selbst Ensemblemitglied ist. Dann geht es auch um persönliche Vorlieben bei der Stückauswahl, welche Lieder wir üben, ob das freie Harmonisieren eine Rolle spielen soll oder ob die Zielsetzung ist, bald mal einen Gottesdienst spielen zu können. Ich kenne Rentner, die das Orgelspielen als neues Hobby entdeckt haben und mittlerweile einen nebenberuflichen Abschluss erreicht haben, z. B. den D-Abschluss, der auch schon für bessere Vergütung beim Spielen von Gottesdiensten sorgt.
Welche Rolle hat die Orgel heute in den Berliner Gemeinden – und warum lohnt es sich gerade jetzt, dieses Instrument zu lernen?
Nach wie vor ist die Orgel Hauptinstrument im Gottesdienst. Es ist ein flexibles Instrument, kann solistisch erklingen, als Begleitinstrument genutzt werden, oder auch als Dialogpartner in solchen Formaten wie Wort und Musik. Es kann verschiedene Stimmungen untermalen und unterstützt den Gemeindegesang. Daneben gibt es kleinere und größere Berliner Konzertreihen, in denen die Orgel ihren festen Platz hat. Es lohnt sich immer, damit zu beginnen, wenn das Interesse besteht. Allein das Verständnis für die „Königin der Instrumente“, und dafür, wie sie behandelt werden möchte, wächst mit der intensiven Beschäftigung.
Was würden Sie jemandem raten, der schon lange mit dem Gedanken spielt, Orgel zu lernen, sich aber noch nicht traut?
Der Weg zu Ihrer Kantorin oder Ihrem Kantor, der für die Kirchenmusik in Ihrer Kirchengemeinde zuständig ist, ist bestimmt nicht weit.
Zur Person: Stefan Kircheis ist Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Kaulsdorf und ein erfahrener Orgelpädagoge.
Hier finden Sie Tipps, wo Sie das Orgelspielen lernen können.
Orgelunterricht in Berlin
Eine der ersten Adressen ist die Webseite der Arbeitsstelle für Kirchenmusik der Landeskirche: Hier finden sich etwa alle relevanten Informationen zu den verschiedenen kirchenmusikalischen Qualifikationsstufen für Orgelspieler. Aber auch eine Vielzahl von Terminen und Veranstaltungstipps für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die mit dem Orgelspiel beginnen wollen oder bereits begonnen haben.
Nicht weniger wichtig sind die Webseiten der zehn Berliner Kirchenkreise mit dem jeweiligen Kreiskantorat: Die für Kirchenmusik zuständige Kreiskantorin oder der Kreiskantor wird Ihnen Ansprechpartner:innen für Orgelunterricht in Ihrer Nähe nennen können.
Weitere Möglichkeiten für Einzelunterricht (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
In Spandau bietet Erika Engelhardt, A-Kirchenmusikerin der Kirchengemeinde im Norden Spandaus, auf Anfrage Orgelunterricht an.
Kosten: 30 Euro/60 Minuten.
Ort: Lutherkirche, Lutherplatz 3, 13585 Berlin.
Kontakt: Erika Engelhardt, Tel. 030 3550 4431, erika.engelhardt@evangelisch-nordspandau.de
Im Norden Berlins bietet Kreiskantor Jörg Walter in der Johanneskirche in Frohnau Orgelunterricht an.
Kosten: 50 Euro pro Monat für 45 Minuten Unterricht pro Woche (kein Unterricht während der Schulferien), Kosten reduzieren sich nach einem halben Jahr
Ort: Johanneskirche, Zeltinger Platz 18, 13465 Berlin
Kontakt: Jörg Walter, j.walter@ekg-frohnau.de
Im Süden Berlins unterrichtet Kantor David Menge im Dorothee-Sölle-Haus (Waldsassener Straße 9, 12279 Berlin) und in den Sommermonaten in der Dorfkirche Marienfelde (Alt-Marienfelde 28, 12277 Berlin), der ältesten Dorfkirche Berlins.
Preis und Unterrichtszeit nach Absprache: david.menge@marienfelde-evangelisch.de
In der St. Marienkirche am Alexanderplatz unterrichtet Marienorganist Xaver Schult. Die Wagner-Kern-Orgel ist die älteste Kirchenorgel auf dem heutigen Stadtgebiet und sicher eines der schönsten Instrumente Berlins.
Bei Interesse am Instrument oder an Unterricht, schreiben Sie an xaver.schult@marienkirche-berlin.de“
Kirchenmusiker Christopher Sosnick unterrichtet in der Evangelischen Dorfkirche Britz, Backbergstraße 38, 12359 Berlin.
Preise: nach Vereinbarung.
Kontakt: christopher.sosnick@gemeinsam.ekbo.de
Kirchenmusiker René Schütz unterrichtet in der Martin-Luther-King-Kirche,
Martin-Luther-King-Weg 6, 12356 Berlin.
Kostenfrei!
Kontakt: cantorene@web.de
Alle Fragen rund um Orgel beantwortet Ihnen Kirchenmusikdirektor Günter Brick, ausbildung.kirchenmusik@ekbo.de
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