10/02/2026 0 Kommentare
„Parochet“ - Ausstellung von Benyamin Reich
„Parochet“ - Ausstellung von Benyamin Reich
# Berlin: Kultur

„Parochet“ - Ausstellung von Benyamin Reich
In der St. Matthäus-Kirche am Kulturforum Berlin ist vom 19. Februar bis 3. April 2026 die Ausstellung „Parochet“ des jüdischen Künstlers Benyamin Reich zu sehen. Im Zentrum steht eine großformatige Installation: ein Talmudvorhang, der während der christlichen Passionszeit den Altarraum der Kirche verhüllt.
Der sogenannte Parochet greift eine jahrtausendealte jüdische Tradition auf. In Synagogen trennt der kunstvoll gestaltete Vorhang den Toraschrein vom übrigen Raum. Reich verbindet dieses Motiv mit der christlichen Praxis der Fastentücher, die in der Passionszeit den Blick auf den Altar verhüllen. So entsteht ein vielschichtiger Dialog zwischen jüdischen und christlichen Bild- und Glaubenstraditionen – zwischen Verhüllen und Offenbaren, Nähe und Distanz, Heiligem und Profanem.
Der Vorhang selbst ist aus Fragmenten hebräischer und aramäischer Texte gefertigt, die aus Genisot stammen – Aufbewahrungsorten für nicht mehr verwendbare heilige Schriften. Diese Textschichten verwebt Reich mit eigenen Fotografien und Zeichnungen. Ergänzt wird die Installation durch weitere Collagen und fotografische Arbeiten auf der Empore der Kirche, die jüdische Mystik, christliche Ikonografie und klassisch-hellenistische Bildwelten miteinander in Beziehung setzen.
Zentrale Themen der Ausstellung sind Verletzlichkeit, Körperlichkeit und Transzendenz. Klassische Darstellungen idealisierter Männlichkeit treten in einen Spannungsdialog mit der leidenden Gestalt Jesu. Reichs Arbeiten verhandeln dabei existentielle Fragen von Leid, Verfolgung und Martyrium ebenso wie die Suche nach Schönheit und dem Heiligen in einer fragmentierten Welt.
Die Ausstellung wurde vom Künstler selbst kuratiert. Christlich-theologisch begleitet wurde sie von Pfarrer Hannes Langbein, Direktor der Stiftung St. Matthäus, rabbinisch beraten von Rabbiner Netanel Olhoeft (Oldenburg).
„Parochet“ Ausstellung von Benyamin Reich
19. Februar bis 3. April 2026
St. Matthäus-Kirche
Matthäikirchplatz, 10785 Berlin
Der Eintritt ist frei
Ein Begleitprogramm vertieft die interreligiösen Perspektiven:
Am 26. Februar findet ein Künstlergespräch mit Benyamin Reich, Rabbiner Olhoeft und Pfarrer Langbein statt.
Am 1. März lädt die Gemeinde zu einem Familienkunstgottesdienst hORA+ mit Kantorin Avitall Gerstetter ein.
Benyamin Reich, 1976 nahe Tel Aviv geboren und seit vielen Jahren in Berlin lebend, setzt sich in seiner Kunst immer wieder mit religiösen Grenzräumen auseinander. Seine Arbeiten suchen nach verbindenden ästhetischen Momenten zwischen jüdischem Erbe, christlicher Überlieferung und antiker Bildsprache – und bringen diese mitten ins heutige Berlin.
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