Sabbath Queen - Julia Helmkes Filmtipp im November

Sabbath Queen - Julia Helmkes Filmtipp im November

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Sabbath Queen - Julia Helmkes Filmtipp im November

Filme sind Fenster zu einer anderen Welt. Sabbath Queen öffnet als Film gleich mehrere Fenster. Der künstlerisch herausragende Dokumentarfilm folgt dem US-amerikanischen Rabbi Amichai Lau-Lavie (Jg. 1969) über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Amichai ist hineingeboren in eine Familie, in der die männlichen Nachkommen seit 38 Generationen Rabbiner wurden, zum Teil auch als Oberrabbiner Israel geprägt haben. Die Frage, was einen Menschen prägt, welche Last und welcher Schatz auch religiöse Traditionen haben, durchzieht den gesamten Film und die Biographie von Amichai Lau-Lavie. Er rebelliert gegen die Last der Tradition und der Glaubensvermittlung.

Amichai verlässt Israel und erfindet in New York die Figur der Sabbath Queen als Drag Queen, die lustvoll und kreativ mit jüdischen Glaubensinhalten umgeht. Er versteht sich in der Zeit selbst als Künstler, sein jüdischer Glauben dient ihm als Material für sein Schaffen. So ist es nur konsequent, dass er eine eigene Form von Gemeinde, gründet, Lab/Shul: inklusiv, interreligiös und interkulturell offen.

Sein gesamtes Leben ringt Amichai darum, Gott und den jüdischen Glauben nicht aufzugeben, jedoch ihn in aller Freiheit zu verändern. Sein Großvater und andere Familienmitglieder sind dem Holocaust zum Opfer gefallen, auch das ist für ihn Verpflichtung, sich politisch zu engagieren. Der Film zeigt immer wieder Gespräche seines Bruders, der klassisch Rabbiner geworden ist und kritisch fragt, ob es denn nicht menschliche Anmaßung ist, sich über Traditionen zu erheben, da sie doch auch Schutz, Geborgenheit und Sinnhaftigkeit bieten.

Amichai wird als queerer Mann dreifacher Vater und studiert dann doch noch einmal an einer konservativen Schule, um Rabbi zu werden. Hin- und her gerissen ist er zwischen dem, was er als richtig erlebt und was seine Tradition ihm vorgibt. Konkret wird es an der Frage, wer zum Judentum und zur Gemeinde gehört und wer nicht – und ob er selbst eine Hochzeit zwischen einem Juden und einem bekennenden Buddhisten und Zen-Lehrer leiten darf.

In diesem Film geht die Hauptperson Wege mit Höhen und Tiefen, seine Umgebung, seine Familie und seine Freunde ebenso. Wir als Zuschauende staunen, lernen viel über jüdische Diskurse. Mich hat der Film dazu angeregt, zu fragen, was mich als Christin prägt, wofür ich mich einsetze, wo und wie Veränderung möglich ist und welche Grenzen ich mir selbst setze.

Der Dokumentarfilm ist mehrfach ausgezeichnet worden und wird in Anwesenheit des Regisseurs Sandi DuBowski und Protagonist Rabbi Amichai Lau-Lavie gezeigt, die beide aus New York anreisen. Ein unbedingter Filmtipp!

Infos:
Montag, 23. November 2026, 19 Uhr

Gethsemanekirche, Stargader Str. 77, 10437 Berlin, Prenzlauer Berg
Filmvorführung
SABBATH QUEEN (OmU) Dokumentarfilm, USA 2024
Regie: Sandi DuBowski
105 Minuten
in Anwesenheit des Regisseurs Sandi DuBowski und des Protagonisten Rabbi Amichai Lau-Lavie
Eintritt frei nach Anmeldung:
https://ekbo-termine.de/webformular/input/liste/3823d796-1cb0-46f6-90a0-d1086d7d394b
im Anschluss Gespräch (engl.)

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