Hoch aktuell: der Justizthriller „Staatsschutz“
 - Filmtipp von Generalsuperintendentin Julia Helmke

Hoch aktuell: der Justizthriller „Staatsschutz“
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Hoch aktuell: der Justizthriller „Staatsschutz“
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Hoch aktuell: der Justizthriller „Staatsschutz“
 - Filmtipp von Generalsuperintendentin Julia Helmke

Darf, kann, inwieweit muss Kirche politisch sein? Diese Frage wird anders und doch vergleichbar an die Kunst gestellt und damit an die Kunstform Film.

Ein Film, der Partei ergreifen, auf ein gesellschaftliches Problem hinweisen will, wo eine drängende ethische Frage im Vordergrund steht, ist oft leider kein guter Film, da er dann zwar gut gemeint, doch nicht gut gemacht ist. Die Absicht steht im Vordergrund und das, was Filme ausmachen, fehlt: Die Mehrperspektivität, die Möglichkeit sich unterschiedlich innerlich dem Geschehen auf der Leinwand zu nähern und dazu zu verhalten. 

Immer wieder schaffen es Filmkunstwerke, wie in einem Brennglas das zu verdichten, was gesellschaftspolitisch gerade in der Luft liegt.

Ein Film, der die Unruhe einfängt, inwieweit die deutsche Demokratie gerade gefährdet ist, wie stark und belastbar der Rechtsstaat bleibt und ermutigt hinzuschauen, ist der aktuelle Film „Staatsschutz“ von Faraz Shariat. 
Erstmalig lief das Werk des Kölner Regisseurs auf der diesjährigen Berlinale und wurde dort mehrfach ausgezeichnet.

Der Film ist Thriller und Gerichtsdrama zugleich: Eine junge koreanisch-deutsche Staatsanwältin ist bewusst nach Ostdeutschland gekommen, um rechter Gewalt mit der Hilfe des Gesetzes entgegenzutreten. Mehrfach unterstreicht sie auch selbst, dass die deutsche Justiz das neutralste und damit beste Rechtssystem weltweit ist. Die meisten Fälle möglicher rechtsextremer Gewalt muss sie mangels Beweisen einstellen, Gefühle und Befindlichkeiten haben für sie keinen Platz.

Dann wird sie selbst Opfer eines Angriffs. Beim Prozess ist sie Nebenklägerin, ein Perspektivwechsel beginnt. Ihr Vorgesetzter führt den Fall und wirft ihr mal Rachefantasien vor, dann wieder mangelnde Loyalität. Wieweit kann sie selbst noch dem System vertrauen, an das sie glaubt?
 Die Hauptdarstellerin Chen Emilie Yan, ihre Verteidigerin Julia Jentsch und ihr Gegenspieler Arnd Klawitter spielen grandios.

„Staatsschutz“ widmet sich einem hoch aktuellen, komplexen Thema, das in seiner Verdichtung zuweilen etwas schematisch wirkt, aber und doch unbedingt sehenswert bleibt. Ein Film für die Gegenwart, der diesmal weniger der Entspannung dient, sondern wachmacht und deutlich zeigt, was zählt: Hinschauen, sich informieren, Perspektivwechsel zulassen und sich einsetzen für Recht und Gerechtigkeit. 


Staatsschutz. Regie: Faraz Shariat.  Ab 27. August in Berliner Kinos.

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