Wo Gotteshäuser zu Kulturorten werden

Wo Gotteshäuser zu Kulturorten werden

Wo Gotteshäuser zu Kulturorten werden

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Wo Gotteshäuser zu Kulturorten werden

„Kulturort Kirche“ – das ist ein schillernder Begriff. War Kultur nicht schon immer in Kirchen zuhause? Rund 1.800 Gotteshäuser gibt es in unserer Evangelischen Landeskirche EKBO, etwa 200 davon in Berlin. Sie werden, wie sollte es anders sein, gepflegt und gehegt, saniert und energetisch modernisiert. Doch angesichts sinkender Mitgliederzahlen können Kirchen immer häufiger nicht ausschließlich als sakrale Orte erhalten bleiben. Vor diesem Hintergrund bedeutet „Kulturort Kirche“ mindestens zweierlei: Kirchenräume werden neu genutzt – etwa als Museum, als Theater oder für soziale Projekte. Und gleichzeitig ist die Institution Kirche immer wieder auch Initiator von kulturellen Angeboten an säkularen Orten.

„Kulturort Kirche“ in Berlin – fünf Steckbriefe:


Foto: Jens Bosenberg

St. Matthäus: Kulturkirche am Kulturort 
Die St. Matthäus-Kirche liegt zwischen Kulturforum und Philharmonie. Eine bessere Lage lässt sich für ein Gotteshaus der landeskirchlichen Kulturstiftung kaum denken. Entsprechend eng sind die Kontakte zu den dortigen Museen und Kunstschaffenden. Der Kirchraum selbst ist der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst gewidmet: mit Ausstellungen, Performances, Gesprächen und Gottesdiensten. Die Stiftung versteht Kunst als gesellschaftliche Praxis – politisch, sinnlich und offen für Kontroversen – und positioniert sich bewusst im kulturellen Diskurs der Stadt. Viele namhafte zeitgenössische Kunstschaffende, unter anderen Gilbert & George, Norbert Bisky oder Dominik Lejmann, haben hier schon ausgestellt.

St. Matthäus-Kirche, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin
Ein wichtiger Termin in St. Matthäus ist jedes Jahr der Aschermittwoch der Künstler:innen.

 

Foto: Roman März

St.-Agnes-Kirche – Galerie im Brutalismus-Bau
Die ehemalige katholische Kirche Sankt Agnes in Berlin-Kreuzberg ist heute ein bedeutender Ort für zeitgenössische Kunst, Musik und Kultur. Der markante Bau wurde 1967 im Stil des Brutalismus nach Plänen des Architekten Werner Düttmann errichtet. Den Baustil des Brutalismus (ab 1950) zeichnet aus, dass bewusst mit Sichtbeton gearbeitet wird, und so prägt die St.-Agnes-Kirche mit ihren massiven Betonformen und klaren Linien bis heute das Stadtbild. Nach der Entwidmung der Kirche wurde das Gebäude sensibel umgenutzt und beherbergt nun die Galerie König mit Ausstellungen zeitgenössischer Künstler:innen. Die besondere Architektur mit ihren hohen Räumen und den rohen Materialien schafft eine einzigartige Atmosphäre, man fühlt sich geborgen und zugleich auf sich selbst zurückgeworfen – ein Besuch lohnt sich. 

St. Agnes-Kirche, Alexandrinenstraße 118, 10969 Berlin

 

Foto: Katalin Poege

MACHmit! Museum für Kinder 
Das MACHmit! Museum für Kinder befindet sich in der ehemaligen Eliaskirche im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und verbindet kulturelles Erbe mit zeitgemäßer Bildungsarbeit. Die Kirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und nach ihrer Entwidmung zu einem interaktiven Museum umgebaut, das sich gezielt an Kinder und Familien richtet. Im Mittelpunkt stehen Ausstellungen und Mitmach-Stationen, die spielerisch zum Entdecken, Forschen und kreativen Gestalten einladen. Der offene Kirchenraum bietet dafür großzügige Flächen und eine besondere Atmosphäre, die historisches Ambiente mit lebendiger Nutzung verknüpft. Das MACHmit! Museum versteht sich als Ort der kulturellen Bildung und Teilhabe und zeigt, wie ehemalige sakrale Räume in einen sozialen und pädagogischen Kontext eingebunden werden können. 

MACHmit! Museum für Kinder gGmbH, Senefelderstraße 5, 10437 Berlin
Hier gehts zum Monatsprogramm.  


Foto: Kirchenkreis Spandau

Spandovia Sacra – Museum und Café
Direkt gegenüber der Kirche St. Nikolai in Spandau befindet sich das Museum der Evangelischen Kirchengemeinde. In dem aus dem Mittelalter stammenden Haus kann man wechselnde Ausstellungen zur Kirchen- beziehungsweise Orts- und Regionalgeschichte besuchen. Da die St. Nikolai-Gemeinde so alt ist wie die bereits im Mittelalter gegründete Stadt Spandau, haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele wertvolle Dinge angesammelt: Gemälde, Abendmahlsgeräte, Kirchenbücher und Urkunden. Die wechselnden Ausstellungen beschäftigen sich vorwiegend mit kirchlicher Geschichte, die immer auch Teil der Orts- und Regionalgeschichte ist. Fast ausschließlich werden Stücke aus eigenem Bestand präsentiert.

Museum “Spandovia sacra”, Reformationsplatz 12, 13597 Berlin  


Foto: Cafe Schalotte

Kirche macht Theater: Cafe Theater Schalotte
Als einziger Kirchenkreis in Berlin betreibt der Kirchenkreis Charlottenburg-Wilmersdorf ein eigenes Theater: Das Cafe (ausdrücklich ohne Akzent) Theater Schalotte im Alt-Charlottenburger Kiez ist seit mehr als 40 Jahren ein beliebter Ort für Kleinkunst, Comedy, die Pop- und Jazzchortage total choral und das berliner a cappella festival. Das ehemalige Kino aus den 1930er Jahren bietet Platz für 254 Gäste und wird von einem ehrenamtlichen Team geführt: Von der Programmplanung über die Technik bis zum Getränkeausschank an der originalen 30er-Jahre-Bar ist es mit viel Herz dabei. Getragen vom kirchlichen Engagement versteht sich die Schalotte zugleich als Ort der Begegnung, des Dialogs und der kulturellen Teilhabe. 

Cafe Theater Schalotte, Behaimstraße 22, 10585 Berlin

Dies ist ein Beitrag aus unserem Newsletter Evangelisch in Berlin

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